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Website-Relaunch ohne Sichtbarkeitsverlust.

Der klassische Relaunch-Unfall: Die neue Seite ist schöner, und drei Wochen später sind Anfragen und Google-Positionen weg. Das passiert fast immer aus demselben Grund — Adressen haben sich geändert, ohne dass jemand die alten weitergeleitet hat. Diese Anleitung beschreibt den Ablauf, der das verhindert, inklusive Umgang mit laufenden Kampagnen.

Amir Majzoub22. September 202610 Min. Lesezeit

Warum Sichtbarkeit beim Relaunch verloren geht

Google bewertet keine Website als Ganzes, sondern einzelne Adressen. Jede Unterseite hat sich über Jahre Vertrauen erarbeitet: Sie wird verlinkt, angeklickt, in Verzeichnissen genannt. Ändert sich diese Adresse ohne Hinweis, ist dieses Vertrauen nicht umgezogen — es ist verschwunden.

Die typischen Ursachen sind immer dieselben:

  • Neue Adressstruktur ohne Weiterleitung von alt auf neu
  • Inhalte wurden „aufgeräumt" — also gelöscht, ohne Ersatz
  • Die Testversion blieb für Suchmaschinen gesperrt und ging so live
  • Ladezeit auf dem Handy hat sich durch große Bilder verschlechtert
  • Formulare und Rufnummern-Links wurden nie getestet
  • Messung wurde nicht übernommen — der Rückgang fällt zu spät auf

Keiner dieser Punkte ist schwer zu vermeiden. Sie müssen nur vor dem Livegang erledigt werden, nicht danach.

Bestandsaufnahme: was Sie vorher wissen müssen

Ein Relaunch ohne Ausgangsdaten ist ein Blindflug. Bevor die erste Zeile gestaltet wird, brauchen Sie diese Liste — sie ist später auch Ihr Beweis, dass es besser geworden ist:

  • Alle bestehenden Adressen der aktuellen Website, vollständig als Liste.
  • Die Seiten mit Besuchern: welche Unterseiten bringen tatsächlich Aufrufe und Anfragen?
  • Suchbegriffe je Seite aus der Search Console, damit Inhalte nicht am Bedarf vorbei umgeschrieben werden.
  • Verlinkungen von außen: Seiten, auf die andere Websites zeigen, müssen unbedingt erreichbar bleiben.
  • Ausgangszahlen: Besucher, Anfragen, Sichtbarkeit und Positionen der letzten zwölf Monate.
  • Alles, was aktiv verlinkt wird: Google-Unternehmensprofil, Social-Media-Profile, Newsletter, Anzeigen, Verzeichnisse, Signaturen, Flyer und QR-Codes.

Besonders der letzte Punkt wird gern vergessen. Ein gedruckter QR-Code auf einem Fahrzeug zeigt noch Jahre auf eine Adresse, die es im neuen System nicht mehr gibt.

Der Weiterleitungsplan — das Herzstück

Für jede alte Adresse gibt es genau eine Entscheidung: Wohin geht sie künftig? Das Ergebnis ist eine Tabelle mit zwei Spalten, alt und neu, und keiner leeren Zeile.

  • Inhalt bleibt, Adresse ändert sich: dauerhafte Weiterleitung auf die neue Adresse.
  • Inhalt wird zusammengelegt: Weiterleitung auf die Seite, die das Thema künftig abdeckt — nicht auf die Startseite.
  • Inhalt fällt weg: auf die thematisch nächstliegende Seite leiten. Ein Fehler „Seite nicht gefunden" ist immer die schlechteste Option.
  • Adresse bleibt gleich: nichts tun — jede unnötige Weiterleitung kostet Ladezeit.

Drei Regeln, die den Unterschied machen: dauerhafte Weiterleitungen verwenden, nicht vorübergehende. Keine Ketten bauen, in denen A auf B und B auf C zeigt — direkt auf das Ziel. Und nicht alles pauschal auf die Startseite leiten; Google behandelt das wie einen Löschvorgang.

Inhalte übernehmen, nicht kürzen

Beim Relaunch verschwindet häufig Text, weil er im neuen Design „nicht passt". Genau dieser Text war aber der Grund, warum die Seite gefunden wurde. Ein moderner Auftritt mit halbierten Inhalten ist fast immer ein Rückschritt in der Sichtbarkeit.

Die Regeln, mit denen wir arbeiten:

  • Jede Leistung behält eine eigene Seite. Alles auf einer Seite zusammenzufassen ist optisch angenehm und inhaltlich ein Verlust.
  • Bestehende Texte werden verbessert, nicht ersetzt — Struktur klarer, Nutzen nach vorn, Fragen der Besucher beantwortet.
  • Überschriften bleiben inhaltlich erkennbar. Kreative Titel ohne Bezug zur Suche kosten Aufrufe.
  • Häufige Fragen ausformuliert auf die Seite. Das ist der Teil, den KI-Assistenten heute als Quelle nutzen.
  • Interne Verlinkung mitplanen: Von der Startseite sollten die wichtigen Leistungs- und Ortsseiten in einem Klick erreichbar sein.

Technische Prüfliste vor dem Livegang

  • Sperre für Suchmaschinen entfernt. Der häufigste Einzelfehler überhaupt: Die Testeinstellung bleibt aktiv und Google darf die neue Seite nicht lesen.
  • Titel und Beschreibung je Seite individuell, nicht überall gleich.
  • Selbstverweisende Kanonische Angabe auf jeder Seite, damit keine Adresse gegen sich selbst antritt.
  • Neue Sitemap erzeugt und in der Search Console eingereicht; alte Sitemap ersetzt.
  • Ladezeit auf dem Handy geprüft, Bilder in modernen Formaten und passender Größe.
  • Strukturierte Daten übernommen: Firmenangaben, Leistungen, Fragen, Artikel.
  • Formulare und Rufnummern getestet, mit einer echten Testanfrage bis ins Postfach.
  • Messung und Einwilligungsbanner funktionsfähig, Abschlussereignisse feuern nachweislich.
  • Rechtliches vollständig: Impressum, Datenschutz und Bedingungen auf dem aktuellen Stand.

Laufende Kampagnen: Google, Meta und KI-Kanäle

Werbung läuft während eines Relaunchs weiter — und bricht ein, wenn Zielseiten sich verschieben. Was vorher geklärt sein muss:

  • Google Ads: Alle Zielseiten in den Anzeigen auf die neuen Adressen umstellen, bevor die alte Seite abgeschaltet wird. Anzeigenerweiterungen und Sitelinks nicht vergessen — dort stehen oft veraltete Adressen.
  • Abschlussmessung: Zuerst neu einrichten und testen, dann live gehen. Wer die Messung erst danach anfasst, verliert Optimierungsdaten und die Automatik lernt in dieser Zeit falsch.
  • Meta Ads: Pixel und Abschlussereignisse auf der neuen Seite prüfen, Zielgruppen aus Websitebesuchern behalten ihre Definition nur, wenn das Ereignis weiterhin feuert.
  • KI-Werbekanäle: Angebotsdaten und Zielseiten aktualisieren; serverseitig gemessene Abschlüsse gegen die neue Struktur testen.
  • Social Media und Newsletter: Profil-Links, festgepinnte Beiträge und Automationen auf neue Adressen umstellen.
  • Google-Unternehmensprofil: Website-Link, Leistungen und Beiträge aktualisieren.

Praktischer Rat: Kampagnenbudgets in der Relaunch-Woche leicht reduzieren statt abschalten. Das begrenzt Streuverlust, ohne die gelernten Daten zu verlieren.

Livegang und die vier Wochen danach

Gehen Sie früh in der Woche live, nicht Freitagabend. Und rechnen Sie mit einer Übergangsphase: Auch bei sauberer Umsetzung schwanken Positionen einige Wochen, während Google neu einordnet. Das ist normal — entscheidend ist die Richtung nach vier bis sechs Wochen.

Was in dieser Zeit auf die Liste gehört:

  • Tag 1: Alle Weiterleitungen stichprobenartig aufrufen, Formulare testen, Sitemap einreichen, wichtige Seiten zur Prüfung anmelden.
  • Woche 1: Täglich auf Fehlerseiten und Ausschluss-Meldungen in der Search Console schauen, gefundene Lücken sofort weiterleiten.
  • Woche 2 bis 4: Aufrufe und Positionen mit den Ausgangszahlen vergleichen — pro Seite, nicht nur in der Summe.
  • Nach 6 Wochen: Seiten nachschärfen, die Aufrufe verloren haben; Titel und Beschreibungen anhand echter Suchanfragen anpassen.
  • Laufend: Anfragen zählen. Das ist die Zahl, die zählt — nicht die Besucher.

Wenn Sie diesen Ablauf nicht selbst begleiten wollen: Wir übernehmen Relaunches inklusive Weiterleitungsplan, Messung, Kampagnenumstellung und Nachkontrolle — und zeigen Ihnen die Zahlen vor und nach dem Wechsel.

FAQ

Häufige
Fragen.

Verliert man beim Website-Relaunch Google-Rankings?+

Nicht zwangsläufig. Verluste entstehen fast immer durch geänderte Adressen ohne dauerhafte Weiterleitung, gelöschte Inhalte oder eine aktiv gebliebene Suchmaschinensperre der Testversion. Mit vollständigem Weiterleitungsplan und übernommenen Inhalten bleibt die Sichtbarkeit erhalten.

Wie lange dauert es, bis sich die Rankings nach einem Relaunch stabilisieren?+

Üblich sind einige Wochen Schwankung, während Suchmaschinen die neue Struktur neu bewerten. Nach vier bis sechs Wochen sollte die Richtung klar sein. Bleiben einzelne Seiten dauerhaft zurück, liegt es meist an fehlenden Weiterleitungen oder gekürzten Inhalten.

Kann ich die Adressstruktur beim Relaunch überhaupt ändern?+

Ja, wenn jede alte Adresse dauerhaft auf ihr neues Gegenstück zeigt und keine Weiterleitungsketten entstehen. Ohne guten Grund lohnt eine Änderung aber selten — bestehende Adressen zu behalten ist der risikoärmste Weg.

Was passiert mit laufenden Google Ads und Meta Ads?+

Zielseiten in Anzeigen und Erweiterungen müssen vor dem Umschalten auf die neuen Adressen zeigen, und die Abschlussmessung muss vorher neu eingerichtet und getestet sein. Sonst optimieren die Systeme auf Ereignisse, die nicht mehr ausgelöst werden.

Sollte ich alte Inhalte beim Relaunch löschen?+

Nur wenn sie inhaltlich überholt sind — und auch dann mit Weiterleitung auf das nächstliegende Thema. Seiten mit Aufrufen oder externen Verlinkungen bleiben grundsätzlich erhalten und werden überarbeitet statt entfernt.

Brauche ich für einen Relaunch eine neue Domain?+

In der Regel nicht. Die Domain trägt Ihre gesamte Sichtbarkeit; ein Wechsel ist ein zusätzliches Risiko und nur bei Umbenennung oder Zusammenschluss sinnvoll. Dann gelten dieselben Regeln, nur konsequenter.

— Autor

Amir Majzoub · Founder, Luminex Consulting

Berlin. Baut seit 2025 Done4You-Digital-Setups für mittelständische Unternehmen — Webdesign, Apps, Automations und Marketing aus einer Hand. 17 umgesetzte Projekte, Datenhaltung ausschließlich in der EU.

— Nächster Schritt

Relaunch geplant? Erst der Plan, dann das Design.

Schicken Sie uns Ihre aktuelle Adresse — wir sagen Ihnen, welche Seiten Sichtbarkeit tragen und beim Umbau unbedingt bleiben müssen.

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