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Agentur wechseln: Ablauf und Checkliste.

Ein Agenturwechsel ist selten eine Bauchentscheidung — meistens hat sich über Monate etwas aufgestaut: keine Zahlen, keine Antworten, keine Fortschritte. Der Wechsel selbst ist dann gar nicht das Problem. Das Problem sind die Zugänge, Daten und Verträge, um die sich vorher nie jemand gekümmert hat. Diese Anleitung geht der Reihe nach durch, was Ihnen gehört, wie Sie es zurückholen und in welcher Reihenfolge.

Amir Majzoub15. September 202610 Min. Lesezeit

Wann ein Wechsel richtig ist — und wann nicht

Nicht jede Unzufriedenheit rechtfertigt einen Wechsel. Wenn die Zusammenarbeit stockt, weil intern niemand Zeit für Rückmeldungen hat, wird der nächste Dienstleister dasselbe Problem haben. Sinnvoll wird ein Wechsel, wenn eines der folgenden Muster stabil über mehrere Monate auftritt:

  • Keine Zahlen. Sie erhalten Aktivitätsberichte („12 Beiträge veröffentlicht") statt Ergebnisse (Anfragen, Kosten pro Anfrage, Auftragswert).
  • Keine Zugänge. Website, Werbekonten oder Analytics laufen auf Konten der Agentur, nicht auf Ihren.
  • Keine Verantwortung. Drei Dienstleister, und bei jedem Problem ist ein anderer zuständig.
  • Kein Fortschritt. Dieselben Empfehlungen wie vor einem Jahr, umgesetzt wurde nichts.
  • Keine Erreichbarkeit. Anfragen bleiben tagelang liegen, Termine werden verschoben.

Bevor Sie kündigen, führen Sie ein Gespräch mit klaren Erwartungen und einer Frist. Manche Zusammenarbeit dreht sich damit noch. Wenn nicht, haben Sie die Dokumentation, die Sie später brauchen.

Was Ihnen gehört — und was Sie einfordern können

Der wichtigste Satz beim Agenturwechsel: Ihre Daten, Ihre Konten, Ihre Domain. Eine Agentur darf Konten verwalten, sie sollte sie nicht besitzen. Diese Positionen gehören auf Ihre Seite:

  • Domain. Registriert auf Ihre Firma, mit Zugang zum Registrar. Die Domain ist der einzige wirklich unersetzliche Posten.
  • Website und Inhalte. Vollständige Datensicherung inklusive Datenbank, Bildern in Originalauflösung und Texten.
  • Google Ads. Eigenes Konto, das über ein Verwaltungskonto der Agentur betreut wird — nie ein Unterkonto, das mitgeht.
  • Meta Business Portfolio. Facebook- und Instagram-Seiten, Werbekonto, Pixel und Datensätze auf Ihrem Portfolio, Agentur als Partner mit Zugriff.
  • Weitere Werbekonten. LinkedIn, TikTok, Microsoft Advertising und KI-Werbekanäle wie ChatGPT Ads — dieselbe Logik: Konto bei Ihnen, Zugriff für den Dienstleister.
  • Messung. Analytics, Tag-Verwaltung, Search Console, Serverseitige Ereignisse — inklusive Verlaufsdaten.
  • Google-Unternehmensprofil. Inhaberrechte bei Ihnen, nicht bei der Agentur. Hier hängen Ihre Bewertungen dran.
  • E-Mail und Newsletter. Empfängerlisten samt Einwilligungsnachweisen, Vorlagen, Automationen.
  • Rohmaterial. Logo in Vektorform, Fotos, Videos, Schnittprojekte, Designdateien.

Konten übernehmen, ohne Historie zu verlieren

Der teuerste Fehler beim Wechsel ist ein neues Konto statt einer Übergabe. Werbekonten lernen: Sie tragen Verlauf, Zielgruppen, Abschlussdaten und Qualitätssignale. Wer neu anfängt, zahlt diese Lernphase ein zweites Mal.

  • Google Ads: Die Agentur entfernt ihre Verknüpfung, Sie laden den neuen Dienstleister als Verwalter ein. Kampagnen, Verlauf und Abschlussdaten bleiben vollständig erhalten.
  • Meta: Werbekonto und Seiten bleiben in Ihrem Portfolio; der Partnerzugriff der alten Agentur wird entzogen, der neue erteilt. Wichtig: Pixel und Zielgruppen gehören zum Portfolio, nicht zur Agentur.
  • Analytics und Search Console: Sie werden Inhaber, alle anderen Rechte werden neu vergeben. Vorher einen Export der letzten 24 Monate ziehen.
  • Social-Media-Profile: Inhaberrechte prüfen, Zwei-Faktor-Verfahren auf Ihre Nummer legen, alte Zugänge entfernen — inklusive persönlicher Konten ehemaliger Mitarbeiter.
  • KI-Werbekanäle: Angebotsdaten, Zielseiten und Abschlussmessung dokumentieren, damit die Kampagnenlogik nachvollziehbar bleibt.

Machen Sie vor jeder Rechteänderung eine Sicherung: Screenshots der Kampagnenstruktur, Export der Berichte, Kopie der Zielseiten. Es kommt vor, dass Zugriffe schneller weg sind als vereinbart.

Die Reihenfolge, die Ausfälle vermeidet

Ein Wechsel läuft am ruhigsten, wenn nichts abgeschaltet wird, bevor der Ersatz steht. Diese Abfolge hat sich bewährt:

  1. Bestand aufnehmen. Alle Konten, Verträge, Laufzeiten und Zugänge auf einer Liste.
  2. Inhaberrechte klären. Erst Besitz sichern, dann kündigen — nicht umgekehrt.
  3. Sicherungen ziehen. Website, Daten, Berichte, Rohmaterial.
  4. Neuen Partner einbinden. Zugriff erteilen, Analyse durchführen, offene Punkte benennen.
  5. Übergabegespräch führen. Idealerweise mit beiden Seiten, mindestens mit schriftlicher Übergabe.
  6. Kündigen. Fristgerecht, schriftlich, mit Liste der zu übertragenden Positionen.
  7. Alte Zugriffe entfernen. Nach Ende der Zusammenarbeit alle Rechte prüfen und bereinigen.
  8. Zwei Wochen beobachten. Anfragen, Werbeausgaben, Sichtbarkeit und Formulare kontrollieren.

Kündigung und Übergabe: was hineingehört

Halten Sie es sachlich. Eine Kündigung ist kein Streitbrief, sondern ein Verwaltungsvorgang. Was hineingehört: Kündigung zum konkreten Datum, Bitte um schriftliche Bestätigung, Liste der zu übergebenden Zugänge und Daten, Frist für die Übergabe, Ansprechpartner auf beiden Seiten.

Prüfen Sie vorher Laufzeiten und Kündigungsfristen — bei Wartungsverträgen und Hosting stehen die oft an unterschiedlichen Stellen. Achten Sie außerdem auf Nutzungsrechte an Design, Texten, Fotos und Code: Ohne eine Klausel zur Rechteübertragung dürfen Sie Ergebnisse eventuell nicht frei weiterverwenden. Wenn im alten Vertrag dazu nichts steht, lassen Sie sich die Rechte im Übergabeschreiben bestätigen.

Hosting und Domain gehören nicht in dieselbe Kündigung wie die Betreuung. Erst umziehen, dann kündigen — sonst steht die Website still.

Woran Wechsel in der Praxis scheitern

  • Domain auf fremdem Namen. Der häufigste und unangenehmste Fall. Klären Sie das zuerst.
  • Neue Werbekonten statt Übergabe. Verlauf und Abschlussdaten sind weg, die Einlernphase beginnt neu.
  • Website-Neustart im Wechsel. Zwei große Baustellen gleichzeitig. Erst stabilisieren, dann erneuern — und den Neustart getrennt planen.
  • Formulare nicht getestet. Nach jedem Zugriffswechsel eine echte Testanfrage senden. Es gibt genug Fälle, in denen wochenlang niemand merkt, dass keine Mails ankommen.
  • Keine Messung vor dem Wechsel. Ohne Ausgangszahlen können Sie später nicht belegen, ob es besser geworden ist.
  • Bewertungen verloren. Ein neu angelegtes Unternehmensprofil startet bei null. Immer das bestehende übernehmen.

Checkliste zum Abhaken

Diese Liste können Sie direkt als Vorlage nutzen — jeder Punkt entweder erledigt oder mit Zuständigem und Datum versehen:

  • Domain auf die eigene Firma registriert, Registrar-Zugang vorhanden
  • Hosting-Zugang und vollständige Website-Sicherung vorhanden
  • Content-Management-Zugang mit Administratorrechten
  • Google Ads: eigenes Konto, Zahlungsdaten geprüft, Zugriffe bereinigt
  • Meta Business Portfolio: Inhaber, Seiten, Werbekonto, Pixel geprüft
  • Weitere Werbekonten (LinkedIn, TikTok, Microsoft, KI-Kanäle) übertragen
  • Analytics und Tag-Verwaltung: Inhaberrechte plus Datenexport
  • Search Console: Inhaberbestätigung auf eigenem Zugang
  • Google-Unternehmensprofil: Inhaberrechte übernommen
  • Newsletter-Zugang inklusive Empfängerliste und Einwilligungsnachweisen
  • Social-Media-Profile: Inhaber, Zwei-Faktor, alte Zugänge entfernt
  • Rohmaterial erhalten: Logo als Vektor, Fotos, Videos, Designdateien
  • Nutzungsrechte an Design, Texten und Code schriftlich bestätigt
  • Ausgangszahlen dokumentiert: Anfragen, Kosten, Sichtbarkeit
  • Kündigung fristgerecht verschickt und bestätigt
  • Testanfrage über jedes Formular erfolgreich zugestellt

Wenn Sie an einem Punkt nicht weiterkommen, hilft ein Blick von außen. Wir übernehmen den Wechsel regelmäßig als Ganzes: Bestand prüfen, Zugänge sichern, Konten übertragen, Messung neu aufsetzen — und danach die Umsetzung, statt weiterer Empfehlungen.

FAQ

Häufige
Fragen.

Wie lange dauert ein Agenturwechsel?+

Die technische Übergabe von Zugängen und Konten ist meist in einer bis zwei Wochen erledigt. Entscheidend ist die Kündigungsfrist im alten Vertrag — die liegt häufig bei ein bis drei Monaten. Wir arbeiten in dieser Zeit parallel, damit keine Lücke entsteht.

Verliere ich beim Wechsel meine Google-Rankings?+

Nein, solange Domain und Website bestehen bleiben. Sichtbarkeit hängt an der Domain, nicht am Dienstleister. Riskant wird es nur, wenn gleichzeitig ein Website-Neustart passiert — den planen wir deshalb getrennt und mit Weiterleitungsplan.

Was, wenn meine Domain der alten Agentur gehört?+

Dann ist das der erste Punkt. In der Regel lässt sich die Domain über einen Übertragungscode auf Ihren eigenen Registrar-Zugang umziehen. Wenn die Agentur nicht mitwirkt, hilft die Vergabestelle weiter — je nach Endung mit einem festgelegten Verfahren zur Inhaberänderung.

Sollte ich neue Werbekonten anlegen?+

Nur im Notfall. Bestehende Konten tragen Verlauf, Zielgruppen und Abschlussdaten; ein Neustart kostet Wochen an Einlernphase und Budget. Richtig ist die Übergabe des Zugriffs bei gleichbleibendem Konto.

Muss ich der alten Agentur den Grund nennen?+

Nein. Eine sachliche Kündigung zum Termin genügt, zusammen mit der Liste der zu übergebenden Zugänge. Rückmeldung zum Grund ist freiwillig — sie erleichtert die Zusammenarbeit in der Übergabephase aber oft.

Können Sie den Wechsel für mich übernehmen?+

Ja. Wir nehmen den Bestand auf, sichern Zugänge und Daten, übertragen Werbekonten und Messung und übernehmen anschließend die Umsetzung. Der Wechsel ist bei uns Teil des Starts, nicht ein zusätzliches Projekt.

— Autor

Amir Majzoub · Founder, Luminex Consulting

Berlin. Baut seit 2025 Done4You-Digital-Setups für mittelständische Unternehmen — Webdesign, Apps, Automations und Marketing aus einer Hand. 17 umgesetzte Projekte, Datenhaltung ausschließlich in der EU.

— Nächster Schritt

Wechsel geplant? Wir übernehmen die Übergabe.

Kurz beschreiben, wer aktuell was betreut — wir sagen Ihnen, welche Zugänge Sie zuerst sichern sollten.

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